Weihnachtsbräuche am Wolfgangsee

Weihnachtsbräuche am Wolfgangsee

Weit und breit ist kein Adventmarkt so stimmungsvoll, keiner wird mehr besucht als jener von St. Wolfgang. Wer das lebhafte Treiben erlebt, das hier von Ende November bis gegen der Heiligen Abend hier herrscht, der ahnt nicht, dass sich zu Weihnachten sozusagen im Hintergrund, oft in aller Stille, viele alte Bräuche erhalten haben, die nach wie vor von der Bevölkerung mit Hingabe gepflegt werden.

 

Das beginnt mit dem geweihten Adventkranz und den Barbarazweigen, das sind Kirschzweige, die am 4. Dezember, dem Fest der heiligen Barbara ins Wasser gesteckt werden, und die, wenn sie bis Weihnachten aufblühen, anzeigen, dass im nächsten Jahr eine Hochzeit in der Verwandtschaft bevorsteht. Das setzt sich fort am 5. Dezember mit den Besuchen des heiligen Nikolaus bei den Kindern, die mit Ungeduld auf den Gabenbringer warten im lärmenden Laufen der „Kramperl“ und Perchten. Es gibt aber auch das „Frauentragen“. Ein Marienbild wird jeden Tag in ein anderes Haus gebracht und vereint die Nachbarschaft zu Gebet und geselligem Beisammensein. Am letzten Sonntag im Advent, auch „Bratwürstelsonntag“ genannt, ist das „Rorateblasen“ ein gern geübter Brauch bei der Frühmesse und auch beim Hauptgottesdienst.

 

Geht es auf Weihnachten zu, dann werden die Häuser mit Girlanden, Kränzen und Lichter geschmückt, mitunter recht aufwändig. So sollen die längsten Nächte des Jahres erhellt werden. Kaum jemand schließt sich davon aus, und so bietet die ganze Landschaft, besonders bei Dunkelheit, ein zauberhaftes Bild. Die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember ist die erste der Raunächte, in denen man früher viel von der „Wilden Jagd“ und anderem Geistertreiben erzählte. Um das Böse abzuwehren und den Segen zu erbitten, wird in vielen Häusern „geräuchert“. Der Vater geht mit der Räucherpfanne, in welcher der Weihrauch duftet, durch alle Räume. Die Familie folgt ihm, ein Kind besprengt die Zimmer mit Weihwasser. In bäuerlichen Familien gibt es am Heiligen Abend nur Suppe, denn es handelt sich um einen Fasttag. Höhepunkte sind natürlich wie überall der Christbaum und die Bescherung. Nicht fehlen darf aber auch die Krippe. Das Salzkammergut ist eine berühmte Krippenlandschaft. In die oft umfangreichen Aufbauten sind viele allenthalben feststehende Figurentypen hineingestellt, die man mit Namen kennt wie etwa den „Urberl mit der Leinwand“ oder den „Naz (= Ignaz) mit der Henn“.

 

Zum Weihnachtsfest gehört der Besuch der „Mette“, der Mitternachtsmesse, vor deren Beginn das „Stille Nacht“ der Bläser vom Kirchturm erklingt. Und natürlich gehört das Böllerschießen dazu, das der Tradition nach am Heiligen Abend um Punkt 12 Uhr Mittag einsetzt. Am meisten geschossen und geknallt wird natürlich eine Woche später in der Neujahrsnacht.

 

Nach Weihnachten gehen die Sternsinger von Haus zu Haus und erbitten Spenden für soziale Zwecke. Es gibt aber manchmal noch „Hirtengeher“, speziell im unteren Gemeindebereich, die in den Häusern ein originelles Hirtenspiel darbieten. Zu dieser Zeit begibt man sich gerne auf eine „Kripperlroas“, bei der sehenswerte Krippen in der näheren oder weiteren Umgebung aufgesucht werden.

 

Eine kulinarische Köstlichkeit muss erwähnt werden, das Kletzenbrot, ohne das hierzulande Weihnachten nicht denkbar ist, ein Weißbrot, in das getrocknete Früchte eingebacken sind.

 

Der eigenartigste und stimmungsvollste Weihnachtsbrauch unserer Gegend ist das Glöcklerlaufen. Am Abend vor Dreikönig, übrigens der letzten der Rauhnächte, aber auch schon zuvor, ziehen weißgekleidete Burschen in Formation durch den Ort. Sie haben beleuchtete Kappen auf dem Kopf, welche kunstvoll als Sterne, Kirche oder Jahreszahlen gestaltet sind. Mit dem Ruf „Die Glöckler san da!“ melden sie sich bei den Hausleuten und werde von diesen mit Geldspenden bedankt.

 

An einem der nächsten Abende findet das „Nachglöckeln“ statt, mitunter eine recht ausgelassene Veranstaltung, die überleitet zum nächsten Abschnitt des Jahres, der Faschingszeit.

 

Autor: Peter Pfarl